Morbus Bechterew
bei Frauen
Morbus Bechterew wurde lange als typische Männerkrankheit angesehen. Heute weiß man, dass Frauen nahezu genauso häufig betroffen sind, sie werden jedoch oft später diagnostiziert. Der Grund dafür ist nicht, dass die Erkrankung bei Frauen seltener vorkommt, sondern dass sie sich häufig anders zeigt als das klassische Krankheitsbild vermuten lässt.
In diesem Artikel erfährst du, welche Besonderheiten bei Frauen bekannt sind und worauf Betroffene achten sollten.
6 Min. Lesezeit
Warum Morbus Bechterew lange als Männerkrankheit galt
Jahrzehntelang gingen Ärzte davon aus, dass Morbus Bechterew vor allem Männer betrifft, im Verhältnis etwa drei zu eins. Neuere Daten zeigen jedoch, dass dieses Bild falsch war. Das Verhältnis von Männern zu Frauen mit axialer Spondyloarthritis ist tatsächlich fast ausgeglichen.
Der Grund für die lange verzerrte Wahrnehmung liegt nicht in der Erkrankung selbst, sondern darin wie sie sich bei Frauen zeigt. Die Symptome können bei Frauen subtiler sein und entsprechen oft nicht dem klassischen Bild, was dazu führt, dass die Erkrankung seltener diagnostiziert wird und die Dunkelziffer höher sein könnte.
Wie sich Morbus Bechterew bei Frauen anders äußert
Das klassische Bild von Morbus Bechterew, Schmerzen tief im unteren Rücken, Morgensteifigkeit, nächtliche Beschwerden, trifft auch auf viele Frauen zu. Aber nicht auf alle.
Während Männer in der Regel mit Beschwerden im unteren Rückenbereich beginnen, zeigen Frauen oft zunächst Entzündungen in peripheren Gelenken, der Halswirbelsäule oder im Beckenbereich, die erst einmal untypisch erscheinen. Die Folge ist häufig eine lange Suche nach Antworten.
Konkret bedeutet das: Bei Frauen treten häufiger Beschwerden auf an
- Schultern, Armen und Händen
- Knien, Füßen und Fersen
- der Halswirbelsäule
- kleinen Fingergelenken
Diese Beschwerden werden oft nicht sofort mit der Wirbelsäule in Verbindung gebracht und damit auch nicht mit Morbus Bechterew.
Hinzu kommt, dass typische Symptome, wie Rückenschmerzen und Versteifung der Wirbelsäule, bei Frauen langsamer voran schreiten. Das klingt zunächst wie eine gute Nachricht, bedeutet aber auch, dass die Erkrankung länger unbemerkt bleibt.
Warum die Diagnose bei Frauen länger dauert
Bei Frauen kann sich die Diagnose um bis zu zwei Jahre länger hinziehen, da ihre Rückenschmerzen anfangs nicht mit Morbus Bechterew in Verbindung gebracht, sondern eher auf Unterleibsbeschwerden zurückgeführt werden.
Ein weiterer Grund dafür ist, dass die typischen und sozusagen „beweisenden“ röntgenologischen Zeichen für Morbus Bechterew bei Frauen später und seltener auftreten. Das bedeutet, dass ein Röntgenbild, das bei einem Mann bereits deutliche Veränderungen zeigt, bei einer Frau im selben Krankheitsstadium noch unauffällig aussehen kann.
Ärzte sollten sich dessen bewusst sein und bei Verdacht auch andere diagnostische Mittel wie MRT in Betracht ziehen.
Wenn die eigenen Beschwerden ernst genommen werden wollen, kann es sinnvoll sein aktiv nach einer MRT-Untersuchung zu fragen und darauf hinzuweisen, dass Morbus Bechterew im Röntgenbild bei Frauen oft lange unauffällig bleibt.
Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein - häufig unterschätzt
Frauen mit Morbus Bechterew berichten häufiger von allgemeinem Unwohlsein, Müdigkeit und weniger spezifischen Symptomen.
Diese Beschwerden sind schwerer greifbar als Rückenschmerzen und werden deshalb im medizinischen Gespräch oft nicht als eigenständige Symptome wahrgenommen. Dabei gehören Erschöpfung und das Gefühl dauerhaft nicht auf der Höhe zu sein für viele Betroffene zu den belastendsten Aspekten der Erkrankung, unabhängig vom Geschlecht.
Morbus Bechterew und Schwangerschaft
Da Morbus Bechterew häufig im dritten Lebensjahrzehnt beginnt, stellt sich für viele Frauen früher oder später die Frage nach Schwangerschaft und Familienplanung.
Die gute Nachricht ist, dass eine chronische Erkrankung, wie Morbus Bechterew, kein Hindernis für betroffene Frauen darstellen muss, gesunde Kinder zu bekommen.
Wichtig ist jedoch die Planung. Bei guter Einstellung mit niedriger Krankheitsaktivität tritt eine Schwangerschaft schneller ein und verläuft in der Regel ohne besondere Komplikationen. Bei starker Entzündungsaktivität dauert es länger bis die Frau schwanger wird.
Einige Medikamente, die bei Morbus Bechterew eingesetzt werden, sind in der Schwangerschaft nicht geeignet. Eine frühzeitige Beratung beim behandelnden Rheumatologen, idealerweise schon vor einer geplanten Schwangerschaft, ist deshalb wichtig.
Was das für die eigene Situation bedeutet
Morbus Bechterew ist bei Frauen nicht eine andere Erkrankung. Es ist dieselbe, mit einem häufig anderen Erscheinungsbild.
Das wichtigste was sich daraus ergibt ist, die eigenen Beschwerden ernst zu nehmen, auch wenn sie nicht dem klassischen Bild entsprechen. Auf eine MRT-Untersuchung bestehen, wenn Rückenschmerzen über längere Zeit bestehen und Morgensteifigkeit oder nächtliche Beschwerden dazukommen. Und bei Kinderwunsch frühzeitig das Gespräch mit dem Rheumatologen suchen.
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Als Betroffener wollte er nicht nur verstehen, was in seinem Körper passiert – er wollte etwas tun. Was aus dieser Suche entstanden ist, erfährst du hier.
FAQ
Häufige Fragen zu
Morbus Bechterew bei Frauen
Haben Frauen einen milderen Verlauf als Männer?
Nicht unbedingt. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Was stimmt: Bestimmte Veränderungen an der Wirbelsäule treten bei Frauen im Durchschnitt langsamer auf. Das bedeutet aber nicht dass die Beschwerden weniger belastend sind.
Warum wird Morbus Bechterew bei Frauen seltener erkannt?
Weil die Symptome bei Frauen häufiger an Gelenken außerhalb der Wirbelsäule auftreten – und weil die typischen röntgenologischen Zeichen bei Frauen oft erst später sichtbar werden. Beides führt dazu dass die Erkrankung nicht sofort in Betracht gezogen wird.
Kann ich mit Morbus Bechterew schwanger werden?
Ja, in der Regel ist das möglich. Wichtig ist eine gute Einstellung der Krankheitsaktivität vor und während der Schwangerschaft sowie die Absprache mit dem Rheumatologen welche Medikamente sicher sind.
Sollte ich als Frau speziell auf bestimmte Symptome achten?
Ja. Schmerzen an Schultern, Knien, Händen oder Füßen die sich durch Bewegung bessern, Morgensteifigkeit und ausgeprägte Erschöpfung können bei Frauen frühe Hinweise sein – auch ohne die klassischen Rückenschmerzen.
Gibt es spezialisierte Anlaufstellen für Frauen mit Morbus Bechterew?
Die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) bietet spezifische Informationen und Seminare zu Morbus Bechterew bei Frauen an – ein guter erster Anlaufpunkt.
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